Internationale Schülertheaterwoche
"Zwischen Straßburg und Tartu" 2005
Die Internationale Schülertheaterwoche "Zwischen Straßburg und Tartu" wird unter Organisation und Beteiligung der Schülerbühne des Vitzthum-Gymnasiums und des Schulfördervereins Vitzthum-Gymnasium e.V. vom 12. bis 16. September 2005 in Dresden fortgesetzt.
Nachdem die erste Auflage der Veranstaltung im Jahr 2004 im lettischen Riga für Begeisterung bei Publikum und Mitwirkenden sorgte, begrüßt nun die sächsische Landeshauptstadt junge internationale sowie regionale Gäste. Für alle Beteiligten wird es zu einem unvergesslichen Erlebnis und einer Fortführung des internationalen, kulturellen Austausches.
Ein Wochenrückblick von Gregor Kühnert (Texte und Fotografien).
MONTAG | 12. SEPTEMBER 2005
"Ohne Theater geht es nicht"
Die Internationale Schülertheaterwoche "Zwischen Straßburg und Tartu" wird mit "Selbsterzogen" (Adolfs Alunans), einem typisch lettischen Stück, eröffnet. Regisseurin Marita Lurina (5. Mittelschule Liepaja) und Jürgen Klose (Schülerbühne Vitzthum-Gymnasium) begrüßen das Publikum in der "bühne" zur ersten Aufführung der Woche.
Mit Witz und großer Spielfreude inszeniert das Schülertheater der 5. Mittelschule Liepaja den Einakter. Nicht zuletzt sind es die passend besetzten Rollen, die das Stück beflügeln. Beide an diesem Tag in der "bühne" stattfindenden Aufführungen sind ausverkauft.
"Puck spricht lettisch" titelt die Sächsische Zeitung in diesen Tagen. Zu Recht: Den Zwist Oberons und Titanias in lettischer Sprache zu erleben, ist ein Erlebnis.
Die Schülerinnen und Schüler des Rigaer Agenskalns-Gymnasiums (Leitung Inna Zmihova) bringen mit Ihrer Version von Shakesspeares "Ein Sommernachtstraum" ein farbenreiches und aktionsgeladenes Stück auf die Bühne. Kostüm, Maske und Bühnenbild sind perfekt aufeinander abgestimmt und unterstreichen die Wirkung der einzelnen Figuren. Es wird gelacht, gestritten, gekämpft und gefeiert - die großartigen Darsteller überzeugen mit brillantem Spiel - was nicht unbelohnt bleibt: tosender Applaus am Ende zweier ausverkaufter Vorstellungen in der "bühne".
Zur Wochenmitte gibt es gleich drei Aufführungen. Begonnen wird in der Bühne des Gymnasiums Dresden-Cotta mit "Romulus der Große" (Friedrich Dürrenmatt). Die Cottaer zeigen einen Kaiser, der mit "Hühnerzucht und Landwirtschaft" mehr am Lorbeerkranz hat, als mit seinem untergehenden Volk. Unter der Regie von Gudrun Theis und Frank Gebler stehen die "Bürger Roms" in anmutiger Kulisse und perfektem Licht.
Am Abend liefern sich Familie Müller und Familie Schulze in dem Stück "Das große Rennen" (Idee und Regie: Ralf Herzog) eine fulminante Jagd nach dem großen Gewinn. Die Zuschauer oder besser: der Fan-Block feiert frenetisch die Zielankunft der Radsportler. Besonders die lettischen Gäste sind nach dem am Vormittag in der Mimenbühne besuchten Workshop begeistert vom Pantomimespiel der Akteure.
Mit "Zusammenstoß" (Regie: Gerd Häntsch und Jürgen Klose) gibt es auch eine Premiere im Rahmen der Theaterwoche. Die Schülerbühne des Vitzthum-Gymnasiums zeigt Ihre Inszenierung der grotesken Oper von Kurt Schwitters und Käthe Steinitz. Mit multimedialem Einsatz wird das Publikum im Studiotheater des Kulturpalastes an den Rand des Weltunterganges geführt. In der Schlussszene tummeln sich bis zu 40 Darstellerinnen und Darsteller auf der Bühne - den herannahenden "Grünen Globus" vor Augen. Doch die Katastrophe kann abgewendet werden: stehende Ovationen am Ende der Doppelpremiere. Zwei stürmisch umjubelte Aufführungen sind gelungen.
Eine bedrückende Atmosphäre legt sich in den Raum der "bühne". Man möge denken, weil die letzten beiden Vorstellungen der Theaterwoche gegeben werden. Doch sind es die vier "anonymen Drahtzieher", die ein beklemmendes Fluidum der Diktatur schaffen.
In "Die Schule der Diktatoren" (Erich Kästner) überzeugt das Schülertheater des Städtischen Goethe-Gymnasiums Bischofswerda nicht allein mit seinen sehr guten Darstellern. Licht und Kostüm demonstrieren ein gutes szenisches Gespür und den sicheren Umgang mit ihrem Handwerk. Unter Regie von Ute Langer und Simona Weber steht am Ende eine interessante Umsetzung des Kästner-Stückes.